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DER URSPRÜNGLICHE KERN DER MODERNEN KUNST (Fortsetzung) In meiner eigenen künstlerischen Arbeit ist der Gebrauch der Kamera ein integraler Bestandteil. Aber mein Ziel ist dabei, den „Perspektive“-Kasten der Kamera zu überwinden – genauer gesagt, aus jeder „Kammer“, jedem Raum, jedem Objekt, jeder Form, überhaupt aus jedem Sujet auszubrechen. Meine Arbeit besteht aber nicht in der Zerlegung. Sie soll vielmehr eine völlig freie Form von Wahrnehmung vermitteln, die über die „Sichtweise“ des egoischen Körper-Geistes, über die Sicht der Dinge aus der Perspektive des Körper-Geistes und über alle auf einer „Sichtweise“ beruhenden Inhalte hinausgeht. Über die „Sichtweise“ als solche hinauszugehen – genau das ist meine Arbeit. Sie bezieht sich daher auf die Tradition der Moderne, die im Wesentlichen seit dem Zweiten Weltkrieg verlorengegangen ist. Das soll aber nicht heißen, es hätte in der Zwischenzeit keine gute Kunst gegeben. Es hat gewiss gute Arbeiten gegeben. Einiges von dem, was der abstrakte Expressionismus hervorgebracht hat, führt die Stilrichtung fort, die von Cézanne begonnen wurde. De Kooning ist zum Beispiel ein sehr bedeutender Künstler und Teil der Weiterführung der Tradition der Moderne. Das Gleiche gilt für Rothko, Gorky und andere. Aufgrund der Arbeit dieser Künstler ist diese Tradition nicht völlig verschwunden. Gegenwärtig hat sie sich jedoch erschöpft und die Kunst ist unsinnig und leer geworden. Meine Kunst ist abstrakt, insofern sie jedes Sujet abstrakt (oder ohne „Sichtweise“) behandelt. Aber wie Cézanne halte ich die Struktur des Bildes für sehr wichtig, und mit der Farbe gehe ich wie die Maler der Moderne sehr frei um, frei von „Sichtweise“ und naturalistischer Darstellung. Der Aufbau ist grundlegend für meine Bildkunst, und ebenso ihre Bedeutung. Es geht mir also nicht einfach um Struktur (oder Design oder Form) um ihrer selbst willen, sondern um Struktur als Rahmen (oder Darstellungsweise) für die Bedeutung, für das im tiefsten Sinne Unbegrenzte, das aber auch das gewöhnliche Leben spiegelt. Seit Jahren und besonders in den letzten zehn Jahren habe ich mich sehr intensiv mit der Herstellung von Bildern befasst. Dabei habe ich eine besondere Verwendung der Kamera entwickelt, die nichts mit konventionellem Fotografieren zu tun hat. An der bloßen Herstellung konventioneller Fotos bin ich so gut wie gar nicht interessiert. Es ist vielmehr grundlegend für meine Arbeit, über die Kamera hinauszugehen, und ich habe meine Methode nun so weit entwickelt, dass ich in voller Freiheit arbeiten und schaffen kann, was ich will. Ich bin an neuen Materialien interessiert, aber nicht einfach nur, um Gemälde zu produzieren. Von der Gemäldemalerei erwartet man gewöhnlich wundervolle Objekte, schöne, gut gemachte Formen. Dennoch ist mir nicht nur der Aufbau des Bildes wichtig, sondern auch eine schöne Form aus feinem, haltbarem Material, das sie körperlich (und nicht bloß geistig) wiedergibt und dem Betrachter ein gutes Gefühl vermittelt. Die sogenannte “Pop Art” ist meines Erachtens eine saloppe, oberflächliche Form von Kunst, nicht uninteressant, aber doch (zum größten Teil) ohne Tiefe. Diese Kunst verfolgt (meist) wirtschaftliche Ziele. Sie hat in gewisser Weise den Kontakt zum freien Stil verloren. Mit meiner Kunst verfolge ich andere Ziele. Pop Art ist für mich nicht von Interesse, sie enthält nicht genug Struktur, nicht genug ästhetische Freiheit, nicht genug Bedeutung und Tiefe, sondern dient eher dem oberflächlichen, verzweifelten Amüsement. Die Kunst, die heute geschaffen wird, ist zum großen Teil sehr dunkel. Sie ist gestört und macht sich das gestörte Empfinden des Betrachters zunutze. Sie spiegelt den Zusammenbruch der Kultur und des menschlichen Bewusstseins. Ein Großteil der heutigen Kunst macht Bilder aus der Dunkelheit und Leere, dem Chaos, dem Mangel an Erleuchtung, dem Ego in seinem Abwärtstrend. Mit alledem habe ich nichts zu tun. Ich kann nicht sagen, dass ich in dieser Art von Kunst irgendetwas Positives sehe. Aber ich will hier nur etwas über die Entwicklung meiner eigenen Arbeit sagen. Es geht mir nicht darum, die Arbeit anderer zu kritisieren. Es ist gut, dass es überhaupt Künstler gibt, die Bilder machen, die ihre Arbeit ernst nehmen und Kraft daraus ziehen. Aber es ist nicht meine Auffassung von Kunst. Jede Form von Kunst kann interessant sein für den Betrachter. Aber ich beschreibe hier die Prinzipien, die für mich immer von Bedeutung waren und sind. Es ist nicht so, dass ich die Arbeit der Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts direkt fortsetze, vielmehr trifft die Sensibilität, aus der meine Bilder entspringen, auf etwas, was ich in ihren Werken spüre. Ich befinde mich nicht im gewöhnlichen Zustand und deshalb gehe ich über alle Formen von gewöhnlichem Bildschaffen und über all das hinaus, was durch die herkömmliche künstlerische Arbeit ausgesagt werden kann. Ich mache Bilder so, wie ich literarische Werke – zum Beispiel The "First Room" Trilogy – schaffe, auf der gleichen freien Grundlage, aber ohne die Struktur und die Bedeutung außer Acht zu lassen. Struktur und Bedeutung müssen sich decken, und das auf diese Weise „veredelte“ Sujet ist von grundlegender Wichtigkeit. Das gut ausgeführte Sujet, die passende Struktur und die dazugehörige Bedeutung – und nicht Bedeutungslosigkeit – sind die grundlegenden (wenngleich auch nicht einzigen) Werte, die ich in meiner Kunst ausdrücke. (Bislang unveröffentlichter Kommentar) Copyright © 2007 ASA. Alle Rechte vorbehalten. Permanentes Urheberrecht beantragt. < vorherige Seite - 1 - 2
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AUSSTELLUNG |
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